Wie man mit der Quiz-App IDD-Weiterbildungszeit sammelt

Mit der neuen App „V-Quiz“ haben Vermittler die Möglichkeit, Weiterbildungszeit gemäß IDD in Quiz-Form zu sammeln. Wie das konkret abläuft, erklärt Thomas Köhler. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Schweizer Zaigen GmbH, die die App auf den Markt gebracht hat.

Thomas Köhler - Founder & CEO - Zaigen GmbH

Herr Köhler, mit einer neuen Quiz-App ermöglichen Sie es Vermittlern, Weiterbildungszeit gemäß IDD-Richtlinie zu sammeln. Wie genau funktioniert die Anwendung?

Kurz gesagt: Downloaden, „nur“ mit E-Mail registrieren, spielen und bei Bedarf Weiterbildungszeit beantragen. Bei V-Quiz handelt es sich um ein Quiz, das heißt der Nutzer bekommt eine Frage gestellt mit vier möglichen Antworten, wovon nur eine Antwort richtig ist (Single-Choice-Verfahren). Für jede richtig beantwortete Frage erhält man einen Quiz-Coin, bei schwereren Fragen sogar zwei Coins.

Sobald man genug Coins gesammelt hat, besteht die Möglichkeit, diese in Weiterbildungszeit umzuwandeln. 100 Quiz-Coins entsprechen einer Weiterbildungsstunde. Das Quiz bietet aus zehn Fachbereichen sehr viele Fragen. Der Nutzer hat demnach die Möglichkeit, frei zu wählen. Im Prinzip kann man so seine Weiterbildungszeit „mit einem Daumen“ erfüllen. Man sollte die App aber nicht unterschätzen. Es ist zwar leicht zu spielen, aber die Fachfragen sind vom Schwierigkeitsgrad gemischt, können also durchaus auch herausfordernd sein.

Man kann also Coins in Weiterbildungszeit umwandeln? Was ist denn da maximal im Jahr pro Nutzer möglich bei fast 6.000 Fragen?

Nun, die rund 6.000 Fragen sind ja nur der derzeitige Stand. Der Fragenpool wird wachsen. Ich gehe davon aus, dass wir uns langsam in Richtung 10.000 Fragen entwickeln werden. Grundsätzlich entsprechen 100 richtig beantwortete Fragen einer Weiterbildungsstunde, somit wären also nach heutigem Stand rund 60 Weiterbildungsstunden möglich. Da aber die etwas schwereren Fragen eine doppelte Bewertung erhalten, sind es wohl doch etwas mehr als 60 Weiterbildungsstunden. In diesem Kontext ist aber anzumerken, dass die App „V-Quiz“ mehr als Ergänzung und nicht als Ersatz für andere Weiterbildungen gedacht ist.

Wie erfolgt die Gutschrift auf „gut beraten“?

Nachdem der Nutzer ausreichend richtige Fragen beantwortet hat, kann er in der App auswählen, ob er eine IDD-Teilnahmebescheinigung und / oder einen Eintrag in die „gut beraten“-Datenbank haben möchte. Nach diesem Antrag erhält er eine Rechnung und sobald diese beglichen ist, erfolgt der Versand der Bescheinigung bzw. der Eintrag in die „gut beraten“-Datenbank.

Wie sehr können Vermittler darauf vertrauen, dass die Weiterbildung auch anerkannt wird, wenn eine Prüfung durch die Aufsichtsbehörde kommt?

Dies ist eine berechtigte Frage. Nach heutigem Stand kann im Prinzip jeder Bildungsanbieter einfach behaupten, er erfülle die Richtlinie IDD und jede einzelne Industrie- und Handelskammer kann ein eigenes Prüfraster anlegen mit eigener Interpretation der IDD-Richtlinie. Hier ist natürlich eine gewisse Rechtsunsicherheit vorhanden. Allerdings ist meines Wissens „gut beraten“ derzeit dabei, mit den IHKs ein einheitliches Prüfraster zu erarbeiten.

Die Initiative „gut beraten“ akkreditiert jeweils die Bildungsanbieter und nicht das einzelne Bildungsangebot. „gut beraten“ prüft neben vielen anderen Qualitätsfaktoren natürlich insbesondere auch die IDD-Fähigkeit. Im konkreten Fall der App „V-Quiz“ ist es so, dass die Firma Zaigen GmbH, welche die App „V-Quiz“ anbietet, von „gut beraten“ akkreditiert wurde. Da „V-Quiz“ etwas Neuartiges ist, wurde ergänzend zur Akkreditierung der Zaigen GmbH das Bildungsangebot „V-Quiz“ doch recht intensiv durchgesprochen. Als Ergebnis wurde die App im Vergleich zur Schweizer Variante umgebaut und an die Anforderungen von IDD bzw. „gut beraten“ ausgerichtet.

Demnach haben wir als Bildungsanbieter alles getan, was möglich ist, um die Richtlinie IDD einzuhalten. Meines Erachtens erfüllt V-Quiz sogar höhere Anforderungen, da die Erfolgskontrolle zu 100% eingebaut ist. Während andere Seminarangebote im Prinzip auch ein „passives“ Beisitzen ermöglichen, ist bei V-Quiz zu 100% Aktivität nötig, um Weiterbildungsstunden zu erhalten.

Nicht umsonst ist V-Quiz in der Schweiz auch von den Financial Planners, der Aktuarsvereinigung oder den Pensionskassenexperten ebenfalls als Weiterbildung anerkannt. In Deutschland haben bereits weitere Verbände eine Aufnahme von V-Quiz in deren Weiterbildungssystem akzeptiert. Weiteres hierzu folgt im Jahr 2020.

Wie und von wem wurden denn eigentlich die Fragen zusammengestellt? Und welche Bereiche sind abgedeckt?

Die Fragen wurden / werden von Fachkräften aus der Branche und insbesondere von mir selbst erstellt. Die Fragen sind wiederum in folgende zehn Bereiche unterteilt:

  • Allgemeine Branchenkenntnisse
  • Sozialversicherungen
  • Personenversicherung
  • Sachversicherungen
  • Vermögensversicherung
  • Zahlen und Definitionen (aus der Versicherungswirtschaft)
  • Führung und Verkauf
  • Recht und Compliance
  • Organisation, Strategie und Schaden
  • Finanzmarkt und Rückversicherung
Können Sie uns mal zwei bis drei Fragen aus dem Quiz als Beispiele nennen?

Klar, gerne.

  • Frage 1: Zur Kfz-Haftpflichtversicherung: Wie bezeichnet man den Wert eines Kfz vor einem Unfall?
  • Frage 2: Woraus entstehen Ansprüche auf eine Betriebsrente?
  • Frage 3: Bei der Vertriebssteuerung werden unter anderem „Aktivitätsziele“ gesetzt. Welches Beispiel gehört zu dieser Zielart?
  • Frage 4: Was beeinflusst den Rückkaufswert einer Lebensversicherung?
  • Frage 5: Was für eine „Combined Ratio“ in der Sachversicherung ist aus Sicht eines Versicherers wünschenswert?
Sie sind mit der App zunächst in der Schweiz an den Start gegangen. Wie war die Resonanz?

Sehr positiv, wobei man natürlich die Nutzerzahlen aufgrund der Größe des Marktes der Schweiz nicht mit denen von Deutschland vergleichen kann. Die Verbindung von Spiel, Spaß und Lernen kommt aber glaube ich in jedem Land gut an.

Worin sehen Sie die größten Vorteile der App?

In der Flexibilität und in gewisser Weise der Bequemlichkeit. Man kann spielen wann, wo und wie lange man möchte. Demnach einfach perfekt für den freiheitsliebenden Außendienstler. Anstatt Seminaren beizuwohnen, welche immer auch einen Teil von „bla bla bla“ haben, ist die App kurz und knackig und daher effizient. Andererseits ist es ja auch so, dass man bei der App etwas tun „muss“, das heißt, wer nicht „richtig“ antwortet, erhält auch nichts. Demnach würde ich fast behaupten, die App erfordert mehr vom Teilnehmer, da ein einfaches „Ich setze mich halt mal in ein Seminar“ nicht möglich ist.

Kann eine Quiz-App Ihrer Meinung nach den Besuch von Seminaren oder das Absolvieren von Lehrgängen via E-Learning ersetzen?

Nein, natürlich nicht. Wie oben erwähnt, sehe ich die App eher als Ergänzung und nicht als Ersatz von komplexeren E-Learning-Programmen oder Präsenzseminaren. Ich finde, da hat jede Seminarform seine Berechtigung – je nach Ziel des Nutzers.

Ein wichtiger Punkt bei klassischer Weiterbildung ist der Austausch mit anderen Teilnehmern. Gibt es bei der App die Möglichkeit, mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten?

Dies ist ein guter Punkt. Derzeit gibt es diese Möglichkeit nicht. Die App ist aber an sich auch erst in ihren Anfängen. Ideen, wie man diese ausbauen könnte, gibt es viele. Es ist aber natürlich eine Frage des Budgets. Da ich die App aber wie oben erwähnt auch mehr als Ergänzung zu anderen Weiterbildungsformen sehe, gehe ich davon aus, dass die Teilnehmer genügend andere Möglichkeiten haben, sich auszutauschen. Die Vermittler sind ja zudem auch sehr gut untereinander vernetzt. Daher glaube ich nicht, dass eine App so etwas leisten kann bzw. sollte.

Die App zum Ausprobieren gibt es auf der Internetseite www.v-quiz.ch, im Google Play Store oder für Apple-Geräte im App-Store einfach „V-Quiz“ eingeben.